DIE UMFAHRUNG MELLINGEN

Zahlen und Fakten des Vereins ByeBye Abschnitt 2

Montag, 6. September 2010
 
 

Trendwende bei der Zerschneidung und Zersiedlung?

  • Soll geopfert werden: Naturschutzgebiet Aegelmoos
  • Birrfeldstrasse Fahrtrichtung Mellingen
  • Blickrichtung Zeughaus Mellingen
  • Birrfeldstrasse

Zerschnittene Landschaft - ein Problem im Kanton Aargau?

Zerschneidung und Zersiedelung von Landschaft gilt als eine wesentliche Ursache des Artenverlusts in Mitteleuropa. Der Kanton Aargau hat in Anlehnung an ein Projekt in Baden-Württemberg den Grad der Landschaftszerschneidung berechnet. Lesen Sie hier den ganzen Bericht.

Die deutsche Bundesregierung erklärte bereits 1985 eine Trendwende bei der Zerschneidung und Zersiedlung der Landschaft zu ihrem Ziel (BMI 1985). Die Fragmentierung setzt sich jedoch auch heute fort. So hat in Baden-Württemberg die effektive Maschenweite - ein Maß für die Größe der verbliebenen Flächen, der Maschen des Verkehrswegenetzes - seit 1930 um mehr als 40 Prozent abgenommen. Anzeichen für eine Trendänderung sind nicht erkennbar.

Zudem steigt das Verkehrsaufkommen noch weiter an. Die Landschaftszerschneidung schädigt Boden und Vegetation, verändert das Kleinklima, verursacht Immissionen (etwa Schadstoffe und Lärm), verändert den Wasserhaushalt, fragmentiert die Habitate von Tieren und Pflanzen, verändert das Landschaftsbild und bringt Nachteile für die Landnutzung mit sich. Die negativen Folgen überwiegen deutlich. Für die Bewertung der konkreten Belastung sind die Zerschneidungsempfindlichkeiten von Artengruppen und Landschaften relevant. Verkehrswege beeinträchtigen Wildtierpopulationen in vierfacher Weise: Sie reduzieren erstens die Habitatfläche und verringern die Habitatqualität, zweitens werden Tiere durch Kollisionen mit Fahrzeugen verletzt oder getötet, drittens verhindern Verkehrswege, daß Tiere zu benötigten Ressourcen, Lebensraumanteilen - zum Beispiel von Amphibien benötigt - und neuen Lebensräumen gelangen, und sie zerteilen viertens Populationen in isolierte Teilpopulationen. Betroffen sind grundsätzlich alle sich am Boden bewegenden Tiere von Wirbeltieren bis zu Insekten, etwa Laufkäfern, aber auch viele Vogelarten und Fledermäuse.

Tierarten mit großem Raumanspruch oder geringer Besiedlungsdichte, rückläufigem Bestand, hoher Verkehrsmortalität oder allgemein starker Gefährdung reagieren am empfindlichsten, zum Beispiel Fischotter (Lutra lutra), Dachs (Meles meles), Luchs (Lynx lynx) und Großtrappe (Otis tarda). Die Wirkungen des Verkehrswegenetzes auf Populationsdichten und Aussterberisiken sind allerdings erst wenig verstanden. Es gibt beispielsweise kaum empirische Daten, ab welcher Verkehrsstärke eine Straße für bestimmte Tierarten nicht mehr überquerbar ist. Populationen reagieren mit bis zu Jahrzehnte dauernder Verzögerung auf eine Zunahme der Landschaftszerschneidung (Findlay und Bourdages 2000).

Eine Untersuchung, die ein Vorkommen einer Tierart bei einem bestimmten Zerschneidungsgrad nachweist, läßt daher nicht darauf schließen, daß die Art dauerhaft weiterexistieren kann. Jeder einzelne Landschaftseingriff für sich allein mag wegen dieser Zeitverzögerung und derUnkenntnis der Schwellenwerte für das Auftreten von dramatischen Folgen harmlos erscheinen. Die kumulative Wirkung aller Einzeleingriffe über Jahrzehnte hinweg wird dann jedoch völlig unterschätzt.

Quelle: ETH, Schwerpunkt LANDSCHAFTSZERSCHNEIDUNG
Siehe auch: Landschaftszerschneidung - ein Problem für Natur und Gesellschaft

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