Stellen wir uns einen schönen persischen Teppich nebst einem Jagdmesser vor. Sagen wir, der Teppich ist 4,00 mal 5,50 Meter groß. Wir zerschneiden nun den Teppich in sechsunddreißig gleich große Stücke, lauter Rechtecke von 1,00 mal 0,61 Meter Fläche. Die zerreißende Textur gibt kleine gequälte Geräusche von sich, die wie der unterdrückte Aufschrei entsetzter persischer Weber klingen. Wenn wir mit dem Schneiden fertig sind, messen wir die einzelnen Stücke aus, zählen alles zusammen und stellen fest, wir haben, bitte schön, nach wie vor 22 Quadratmeter erkennbar teppichartigen Stoff.
Aber was heißt das? Nennen wir jetzt etwa sechsunddreißig hübsche persische Bettvorleger unser eigen? Nein. Wir haben nichts weiter als drei Dutzend ausgefranste wertlose Bruchstücke, die dabei sind, sich aufzudröseln. Gehen wir jetzt mit dieser Logik nach draußen, so hilft sie uns zu verstehen, warum der Jaguar, der Puma und fünfundvierzig Vogelarten an einem Ort namens Barro Colorado Island ausgestorben sind ? und warum sich zahllose andere Geschöpfe an zahllosen anderen Stellen mysteriöserweise nicht mehr blicken lassen. Ein Ökosystem ist ein Gewirk aus Arten und Beziehungen. Man schneide ein Stück ab, isoliere es, und schon hat man das Problem, daß ein Prozeß der Auflösung einsetzt.
Quelle: David Quammen, Der Gesang des Dodo, 1998

